Freitag, 17. Januar 2014

Skepsis und Rückschläge

Eine App, in der ich Pilzfundstellen eintrage. Ich lass mir Pilzfundstellen anzeigen, trage eigene Pilzfundstellen ein und jeder andere kann die Pilzfundstellen sehen? Das ganze funktioniert das ganze Jahr über, weil selbst im Winter Pilze wachsen.

Bei der Entwicklung der App Pilz Finder sind wir immer wieder Menschen mit Skepsis begegnet. Solche Leute sind meist sehr wertvoll, weil die es schaffen, dass man über Punkte nachdenkt, auf die man sonst nicht selbst gekommen wäre. Manchmal führen sehr kritische Meinungen aber auch zu starken Zweifeln und Rückschlägen.

Welcher Pilzsucher trägt denn schon seine geheimen Stellen ein?

Zentraler Punkt fremder Sorge um unsere verschenkte Zeit war, dass es doch unmöglich Menschen geben kann, die Pilzfundstellen in die App eintragen würden.

"Welcher Pilzssucher trägt denn schon seine geheimen Stellen ein?"
"Warum soll ich euch meine Pilzfundstellen verraten?"
"Wozu brauch ich denn überhaupt eine App beim Pilze suchen?"

Das sind alles in der Tat sehr berechtigte Fragen, die wir uns natürlich auch gestellt haben.

Wir waren uns diesbezüglich allerdings bereits von Anfang an sicher, dass diese Sorgen unbegründet sind. Klar ist es beim Pilzesuchen eigentlich üblich, dass jeder seine beste Fundstelle für sich behält. Da ist der Mensch ehrgeiziger als jeder Affe auf der Jagd.

Woher kommt das denn?

Irgendwie haben wir uns um die Pilze so ein Geheimnis gesponnen, als ob es um einen Schatz ginge, den man für sich behalten muss. Wir vermuten, das rührt daher, dass der Mensch enttäuscht ist, wenn der Rivale direkt vor ihm durch den Wald gelatscht ist und der Mensch selbst nur noch Stummel findet. Er sagt sich dann, dass er beim nächsten mal einfach eher aufsteht, um diesmal vor dem Rivalen vor Ort zu sein. Er gönnt seine Pilze natürlich nicht dem anderen. Aus der Enttäuschung über den Nichtfund und das verpasste mykologische Mahl, entsteht beim Pilzsucher Neid darüber, dass der andere gefunden und gespeist hat. Das missgönnt man ihm. Er hat einfach dort gefunden, wo ich sonst immer gefunden habe... Er hat meine geheime Stelle entweiht. Er hat Grenzen überschritten. Er isst mein Essen!!!! Ich muss scheinbar meine guten Stellen geheim halten, damit der andere mir nicht mein Essen wegnimmt!!!

Da ist was dran. Es scheint auch mental- und biologisch bedingte Gründe für den Futterneid und die Heimlichtuerei geben. Der Mensch ist wohl Egoist.

Das führt zu der philosophischen Frage, ob der Mensch wirklich Egoist sein will oder in Wahrheit eigentlich mit altruistischen Gedanken spielt. Unabhängig von möglicher Anerkennung durch andere...

Wir wollen nicht philosophisch werden und nehmen die Antwort vorweg:

Jawoll es gibt vieeellleeee Menschen, die völlig altruistisch und ohne Gegenleistung ihre allerbesten Stellen eintragen, an denen Pilze wachsen.

Die Motivationen hierfür können vielfältig sein:

- Ein User ist streng linker Kapitalismuskritiker. Er findet die Idee der eigenen Selbstversorgung ansprechend und versucht sich von der Nutzung von Geld und fremdhergestellten Lebensmitteln zu distanzieren. Die beste Möglichkeit hierfür ist es, sich so weit wie nur irgendwie möglich, von Früchten der Natur zu ernähren. Da der User andere ebenfalls vom Konsum abhalten will, macht er sein Wissen gern anderen zugänglich.

- Ein User ist neu in der Stadt, freut sich darüber, neue Pilzfundstellen gefunden zu haben und will sich die Stellen für das nächste Jahr merken und anderen zeigen, dass direkt im Wald neben der Stadt (oder im Stadtpark) Pilze wachsen.

- Ein Pärchen geht im Urlaub an der Ostseeküste spazieren. Unterwegs finden sie unglaublich viele Steinpilze. Da es nicht die eigene geheime Fundstelle ist, denken sie sich, dass andere auch davon profitieren sollten.

- Ein Fruchtkörper braucht etwa 7-10 Tage um zu wachsen, wobei jedes Myzel pro Saison mehrfach fruchtet. Angenommen, die Pilzsaison geht 5 Wochen. Im Idealfall bietet eine Pilzfundstelle also Pilze für bis zu fünf Pilzsucher. Sollte also jeder fünfte User eine Fundstelle eintragen, dann reichen die Fundstellen für alle. (Ganz ähnlich ist es beim Geocaching, ein User versteckt einen Cache und 100e andere User suchen ihn). Viele unserer User haben zwischenzeitlich teils über zehn Fundstellen eingetragen.

Es ist in der Tat also aufgezeigt, dass es viele altruistische Menschen gibt. Die Anzahl der Leute, die sich bewusst ernähren, wächst. Anbau im eigenen Garten ist sehr sehr stark im Kommen. Viele Menschen erkennen den Wert der Abkehr von Werten und Bedürfnissen, die die Medien und die Wirtschaft uns zeigen. Menschen wollen bewusster leben, sich bewusster ernähren, den Umgang mit anderen bewusster erleben. Die App folgt dem Trend hin zur bewussten Lebensweise, dahin dass wir beim Überangebot von Lebensmitteln den Pilzen nicht hinterherjagen müssen wie ein Affe. Es reicht, wenn wir die Früchte der Natur teilen. Der Wald ist voll davon. Wir wollen, dass andere Freude an den Früchten der Natur haben.

Was begegnet uns noch immer wieder?


Der Winter ist doch die falsche Jahreszeit, so eine App heraus zu bringen.

Anfangs schien uns die Zeit der Veröffentlichung nicht wirklich perfekt, weil fremdbestimmt. Wir waren im Pilzewald und erkannten die Notwendigkeit, eine Pilzapp in die Welt zu drehen. Das war im Oktober. Die App war dann Anfang Dezember fertig. Auch wir wussten also von Anfang an, dass die Zeit nach unserem Pilzverständnis nicht die richtige war, eine Pilz-Finder-App zu veröffentlichen.

Nun sind wir aber an den Pilzen sehr gut gereift, haben viel über Pilze gelernt und auch sehr viel gelesen. Dabei haben wir erfahren, dass es in Deutschland eine ganze Reihe Winterpilze gibt, die frei und in hoher Zahl in Deutschland wachsen. Gerade der milde Winter dieser Saison sorgt dafür, dass überdurchschnittlich viele Pilze wachsen.

Auf die am meisten verbreiteten Winterpilze wollen wir hier mal etwas genauer eingehen.


Austernseitling
Der Austernseitling ist der wohl bekannteste Winterpilz. Er wächst vor allem an abgestorbenen Laubbäumen wie Buchen und Eichen, aber auch an Apfel und Birne.

Es handelt sich hierbei um einen der besten Speisepilze überhaupt.

Weitere Infos bei Wikipedia.


Samtfußrübling
Bei dem in Büscheln an Totholz wachsenden Samtfußrübling handelt es sich um einen ebenfalls guten Speisepilz.

Weitere Infos bei Wikipedia.


Stockschwämmchen
Ähnlich wie der Samtfußrübling wächst das Stockschwämmchen in Gruppen an abgestorbenen Bäumen. Achtung, das Stockschwämmchen kann mit dem tödlich giftigen Gifthäubling vertauscht werden.

Weitere Infos bei Wikipedia.


Judasohr
Der für uns interessanteste Winterpilz nennt sich "Judasohr". Und in der Tat, er sieht aus wie ein Ohr, das da in brauner Farbe an einem Holunderstrauch wächst. Das Judasohr kann bei Trockenheit sehr stark zusammenschrumpfen, dehnt sich aber bei Zuführung von Wasser auf das Vielfache seiner Größe wieder aus.

Ihr esst gern chinesisches Essen? Manchmal ist ein bräunlicher knatschiger Pilz dabei. Auf einer Seite ist er dunkler, auf der anderen Seite ist er heller braun. Glückwunsch es ist der so genannte Mu-Err-Pilz, bei uns auch Judasohr genannt.

Weitere Infos bei Wikipedia.


Viel Spaß mit der App!